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Leser und Kritiker Studien Team Interviews Veranstaltungen
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bald die 4. arabische Auflage vom Verlag Dar Al-Balsam
die 3. arabische Auflage (im Auftrag des gyptischen Erziehungs- und Bildungsministeriums)

Phonostilistische Elemente
im deutschen und
ä
gyptischen Kinderroman

Ein Vergleich zwischen Michael Endes Momo und
Tarik A. Barys
Maliku l-‛Ašiā (König der Dinge)

Dr. phil. Hala Farrag

Universität Kairo

Kinderliteratur: pädagogisch, ästhetisch

Die Dichotomie pädagogisch 1 ästhetisch

pädagogisch:

psychische und soziale Bedrfnisse der Kinder als Adressaten

die historische Entwicklung der Kinderliteratur als unterhaltsame Belehrung von Kindern (Doderer 1981: 9ff)

ästhetisch: Hervorhebung der Ästhetik der Kinderliteratur seit der Romantik (Kmmerling-Meibauer 1998: 257f)

Arendt (1981: 66 - 81): Kein Widerspruch zwischen Didaktik und Ästhetik: Jean Paul: Jede gute Dichtung ist belehrend.

formale (ästhetische) + inhaltliche (pädagogische, semantische) Untersuchung: pragmastilistisch

2. Momo und Maliku l-Ašiā (König der Dinge): literaturwissenschaftliche Voraussetzungen fr den Vergleich

Die beiden Werke:

wirklichkeitsbezogen, sozialkritisch:

Momo (1967-1972): Kritik an die kapitalistische Gesellschaft

Maliku ‛l-‛Ašiā (dt.: 2004, arab.: 2006): Kritik an die

Korruption im Schulwesen

Magisches, Mystisches:

Momo: Meister Hora, der die Zeit htet und die grauen Herren, die die Zeit der Menschen stehlen

Maliku ‛l-‛Ašiā: die sprechenden Schulmöbel, das alte Schullager, die Geschichte des jungen Königs

autobiographisches Nachwort: Authentizität

Momo: Begegnung des Autors mit Meister Hora im Zug

Maliku ‛l-‛Ašiā: die Geschichte von der Mutter des Autors

 

Die Hauptfiguren Momo und Karim:

Geniusfiguren:

Momo als inspirierender Geist fr ihre ganze Umwelt: Kinder, Erwachsene, selbst fr Vögel (Ewers 1985: 60)

Karim wegen seiner Gabe, mit den Sachen zu reden, als Geniusfigur fr die Schulmöbel, die anfingen, sich gegen die Vernachlässigung zu wehren, und später als pädagogisches Vorbild (Rickers 2005)

werden ungewollt zu Helden:

Momo veranlasst von Meister Hora

Karim dazu bewegt von den leidenden Schulmöbeln

Momos Freiheit vs. Karims Leben im Internat:

Momo: reines Naturkind, Gegenbild zur modernen Gesell- schaft

Karim: modernes Kind des technischen Zeitalters, aber unschuldig

3. Phonostilistische Mittel in der Theorie

Phonostilistik: Untersuchung der semantisch-stilistischen

Leistung lautlicher Ausdrucksmittel (Spillner 1984: 77).

Onomatopöie: Braungart/Rösch (1998: 746)

sprachliche Nachahmung von Lauten und Geräuschen:

Klangmalerei : grammatisch unbestimmte Wiedergabe eines Geräuschs, z.B. miau

Lautmalerei : Bedetutungstragende, klangimitierende Wörter mit syntaktischer Funktion, z.B. miauen

Lautsymbolik : Kombination bestimmter Laute zum Ausdrcken eines Vorgangs, z.B. Kladderadatsch

 

 

 

 

 

 

 

Pletts (2000, 50-95) Klassifizierung der phonologischen Figuren:

Figuren von supra-segmentalem Charakter: prosodische Figuren (Metrum, Rhythmus)

Figuren von segmentalem Charakter

Figuren der phonologischen Deviation (Prothesis), (Apokope), (Metathese)

Figuren der phonologischen Äquivalenz:

ein-phonemige Wiederholung: Alliteration (r o t /R a h m), Assonanz (ro t / To n), Konsonanz (r ot / B e et )

zwei-phonemige Wiederholung: Reim (r o t / t o t ), umgekehrter Reim (r o t /R o m), Parareim (r ot /R at )

Fr lautliche Erscheinungen existieren keine

ausreichende, präzise Benennungen (Plett 2000: 79)

 

 

4. Fragestellung

Welche semantischen Funktionen erfllen die phono-stilistischen Elemente in den beiden Romanen?

In wieweit könnten phonostilistische Mittel in einem Kinderbuch, pragmatisch gesehen, zur Ausdauer fr die Lektre eines poetischen Werkes (Schultheis 1981: 60) beitragen?

Kann man weitere, bislang nicht bezeichnete phono-stilistische Erscheinungen anhand ähnlicher Stilmittel wie der lexikalischen Wiederholungen beschreiben und benennen?

5. Phonostilistische Elemente in Momo und Maliku l-Ašiā‛ (Der König der Dinge)

5.1 Lautmalerei

Geräusche der Natur:

Momo: Tiere: trillern und jubilieren (S. 21), pfiffen (S. 125)

Landschaft: donnernd (S. 29), plätscherte (S. 159)

Schlaggeräusche:
Momo: klappern (S. 68), knatterte und ratterte (S. 245)

Geräuschhafte Bewegung:

Momo: kreischte (S. 66), raschelten (S. 57)

Maliku l-Ašiā : (S. 41: sɒri:ran = Knarren), (S. 41: ʔazi:zan = Quietschen)

5.2.1 Wortinterne Lautwiederholung

5.2.2 Komposita (nur in Momo)

Substantiv-Komposita:

Bezeichnungen von Menschen: Kartenkinder (S. 245)

Bezeichnungen von Naturelementen: Wassermassen (S. 34)

Bezeichnungen von Plätzen: Seelensilos (S. 89)

Bezeichnungen von Gegenständen: Kontrafiktionskanone (S. 32)

Adjektiv-Komposita: gemeingefährlich (S. 200)

Prädikat und Subjekt
Momo: krabbelte ... Kassiopeia (S. 293)
Maliku l-Aši
ā‛ : (S. 124: fataʤamada d-dam = das Blut erstarrte)

Prädikat, Subjekt und Objekt

Momo: Ihre Strahlen streiften nur noch die obersten Stufen (S. 122)

Subjekt und Objekt
Momo: schulterte Beppo seinen Besen (S. 295)
Maliku l-
Ašiā : (S. 69: inđamat maysarah li-l- ʔusrah: Maisarah schloss sich der Gruppe an )

Prädikat und Adverbialbestimmung

Momo: Momo entzifferte es entzckt (S. 189)

Maliku l-Ašiā: ... (S. 108: ʔal-laði: ka:na yatalasas ςaleika sɒba:ħan = das [Gesicht] ... heute morgen erspäht hat)

Objekt und Adverbialbestimmung

Maliku l-Ašia‛: (S. 115: qaŧabat ςu:ςa: ħa:ʤebayha: mutaςaʤebah = ςu:ςa: zog ihre Augenbrauen erstaunt zusammen)


5.2.2.2 Lautwiederholung zwischen semantischen Gr
ößen

Semantische Verwandtschaft

Semantisches Feld:

Momo:Er machte sich zum Hanswurst, zum Hampelmann (S. 195f)

Maliku l-Ašiā‛: (S. 153: wa qad manaħtuka θiqati: wa sadaqati: = und ich habe dir mein Vertrauen und meine Freundschaft geschenkt)

Tautologie:

Momo: Es gab ... solche, die schlicht und schmucklos waren (S. 5)

Maliku l-Ašiā‛: (S. 157: faraqat laha: wa ʔaʃfaqat ςaleyha: = so tat sie ihr leid und sie hatte Mitleid mit ihr)

Klimax:

Momo: Und damit bliebe die Welt still und starr (S. 271)

Maliku l-Ašiā: (S. 163f: waqafa l- kurseyu l-maliku bika:meli bahaʔihi wa ʔubahatih = der königliche Stuhl stand mit seiner vollen Schönheit und Pracht)

Kausale Beziehung

Urheber und Tat:

Momo: lautete der Rat der Schildkröte (S. 283)

Maliku l-Ašiā: (S. 167: lam yatawaqaς ʔaħadun zeya:rat ʔal-wazi:r = niemand erwartete den Besuch des Ministers)

Ursache und Wirkung:

Maliku l-Ašiā: (S. 26: wa nθana: ςala: nafsihi wa huwa yataʔalam wa yataʔawah = er kauerte sich, während er litt und stöhnte)

Logische Beziehung

konkretes Besitztum und Mensch als Besitzer

Maliku l-Ašiā: (S. 81: ranat haðihi l- ʤumlah fi: samςi ςu:ςa: = dieser Satz klang in ςu:ςa:s Ohren)

abstraktes Besitztum und Mensch als Besitzer

Momo: Herr Fusi, der Friseur (S. 62)

Maliku l-Ašiā: (S. 20: huwa betaʔki:d điya:ʔu đ-đabς = er ist sicherlich Diaa, die Hyäne)

Konkretes Besitztum und Sache als Besitzer

Momo: Aus der Zentrale der Zeit-Spar-Kasse ... (S. 140)

abstraktes Besitztum und Sache als Besitzer

Momo: Darunter stand in leuchtenden Lettern (S. 76)

Maliku l-Ašiā: (S. 41: wa lakinani: babu ςaʤuzun sadiʔu l-mafa:sil = aber ich bin eine alte Tr mit verrosteten Scharnieren)

Quantitative Beziehung

Teil und Ganzes:
Momo: ein Schluck Schokolade (S. 276)
Maliku l-Ašiā: (S. 163f: fi: muntasafi l-minasah = in der Mittel des Pultes)

Art und Gattung:
Momo: Bagger und andere Baumaschinen standen umher (S. 285)

Singular und Plural
Momo: Heer der grauen Herren (S. 260)

Ähnlichkeitsbeziehung

Momo: Alles schien reglos und wie in Glas eingeschlossen (S. 143)

Maliku l-Ašiā: (S. 46: muħdiθan sɒ:u:tan murςiban kaʔanahu r-raςd = es [das Dach] machte ein furchtein-flössendes Geräusch, als wäre es der Donner)

6. Fazit

Summe der bearbeiteten Beispiele



Beantwortung der ersten Fragestellung

Welche semantischen Funktionen erf
llen die phonostilistischen Elemente in den beiden Romanen?
In wieweit k
önnten phonostilistische Mittel in einem Kinderbuch, pragmatisch gesehen, zur Ausdauer fr die Lektre eines poetischen Werkes
(Schultheis 1981: 60) beitragen?

Akustische Kulisse durch die Lautmalerei:

Momo: die Landschaft, die Akustik der Musik und der Uhren bei Meister Hora

Maliku l-‛Ašiā : akustische Wiedergabe der Laute der alten Möbel im Schullager

 

 

 

 

Kohärenz-Bildung:

lautliche Ähnlichkeit als Hilfe, inhaltliche Beziehungen in Wort, Satz und im Text zu erkennen:

im Wort: Beziehung zwischen Grund- und Bestimmungswort in den Komposita: Seelensilos (Momo S. 89): Verstärkung der lexikalischen Beziehung

im Satz: syntaktische Relationen betonen: meinte Meister Hora (Momo S. 171), ... (Maliku l-‛Ašiā S. 170: taʔarʤaħa l-misba:ħ: die Lampe schwang)

im Text:

semantische Beziehungen leicht erkennbar gemacht:

mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme (Momo S. 14f),

(Maliku l-‛Ašiā S. 165: risa:lat tawasul = eine Botschaft des Bittens)

Namen der drei Freunde in Maliku l-‛Ašiā mit gemeinsamem Mittellaut: Hinweis auf Zusammengehörigkeit: ٬ ٬ (kari:m, ħali:m, nabi:l)

 

 

 

Pädagogische Hinweise:

Momo: abwertende Wirkung des Namen der Puppe

Bubiboy (S. 101) wegen der Klangintensivierung

Maliku l-‛Ašiā: der negative Begleitwert des Namen vom

bösen Mädchen (ςuςa:) (! ägyptisch-arabisch

ςau: = Gespenst): durch Klangintesivierung gesteigert

Erheiternde Wirkung

der Klangintensivierung in polymorphematischen

Komposita wie Kontrafiktionskanone (S. 32),

der sprechenden Namen in Maliku l-‛Ašiā anhand der Alliteration = (điya:ʔu đ-đabς = Diaa, die Hyäne) oder der Konsonanz (ςeleʃ ‛l-ħanaʃ = Eleisch, die Schlange)


Beantwortung der zweiten Fragestellung

Kann man weitere, bislang nicht bezeichnete phonostilistische Erscheinungen anhand
ähnlicher Stilmittel wie der lexikalischen Wiederholungen beschreiben und benennen?

Vorgeschlagene Benennungen fr weitere phonostilistische Mittel

lautliche Anadiplose: Wiederaufnahme des Auslautes als Anlaut: Zauberbrunnen (Momo S. 188), (S. 155: ςimla:q l-qɒ:r = der Teerriese)

lautlicher Kyklos: Wiederaufnahme des Anlautes als Auslaut: fragte Gigi scharf (Momo S. 228), (Maliku l-‛Ašiā S. 53: as-suru:r wa l-ħama:s = Freude und Enthusiasmus)

lautliche Diaphora: Wiederaufnahme eines Lautes an beliebiger Stelle: ... starrte verstört (Momo S. 233), (Maliku ‛l-Ašiā S. 124: yarfaςu ‛l-faʔr = [er] hebt die Maus hoch)

Weitere Ergebnisse

a) Distribution der phonostilistischen Elemente

berwiegend in der Erzählersprache mit Ausnahme:

Momo: die Geschichten von Gigi, das Schiffsspiel von den Kindern:

Jakobson/Waugh (1986: 240ff): Kindersprache: Vorliebe fr Alliterationen und Assonanzen

Maliku l-‛Ašiā: die Rede des Zauberers: magische Wörter

b) Sprachliche Unterschiede

keine Komposita im Arabischen (El-Nashar 1997: 132)

Vielen Dank