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Leser und Kritiker Studien Team Interviews Veranstaltungen
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Der König der Dinge

 

Autor/in:

Tarik A. Bary

Übersetzung:

 

Aus dem Arabischen von Doris Kilias.

Verlag:

 

Atlantis

Publiziert:  

 

2004

Preis:

 

CHF 24.80

ISBN:

 

3-7152-0497-4

Seiten:

 

182 S.

 


 

Schlagwörter:  

Mobbing | Ägypten | Freundschaft | Verrat

Rezension

“Nun, mein lieber Karim, heissts Abschied nehmen. Ich hoffe, dass du allein zurechtkommst und fleissig lernst. Bestimmt wirst du dich mit deinen neuen Kameraden gut verstehen, und wenn du irgendetwas brauchst, wende dich an Herrn Umran, den Direktor.” So spricht der Vater zum Sohn, bevor er ihn in einem neuen Internat zurücklässt. Wenn das so weitergeht – den Gedanken kann man sich nicht verkneifen, nachdem der Sohn ebenso wortreich geantwortet hat –, wird das eine langfädige Angelegenheit... Doch schon auf der nächsten Seite geht es zur Sache; in der Abschiedsrede des Vaters, erkennt man später, liegt schon der ganze Zündstoff versteckt. Denn unter den neuen Kameraden gibt es brutale Rüpel und einen gemeinen Verräter, die es allesamt auf Karim abgesehen haben. Das von Mobbing und Gewalt geprägte Klima an der ägyptischen Schule spiegelt die korrupte Welt der Erwachsenen, und dem Direktor geht es ebenso schlecht wie Karim.
Karim besitzt die seltene Gabe, mit den Dingen zu sprechen. Diese klagen ihm ihr Leid – die Mauern, die Stühle, die Schulbänke –, und er verspricht, ihnen zu helfen. Das führt zu Auseinandersetzungen unter den Schülern und schliesslich zum kathartischen Chaos mit Rebellion, aus dem eine neue, bessere Gesellschaft hervorgehen kann.
“Der König der Dinge” ist politische Allegorie, realistische Geschichte über Freundschaft und Verrat, Krimi und Märchen zugleich. Das Schönste daran ist die Zärtlichkeit, mit der der Autor selbst sich den Dingen – und seinen Figuren – zuwendet. Im Nachwort erfahren wir, woher die Liebe zur vermeintlich toten Materie stammt: “Meine Mutter war immer mit den Dingen in Kontakt. Sie kümmerte sich um sie wie um ihre Kinder... und behandelte sie wie neugeborene Babys, die man behutsam in die Wiege legt.”
CHRISTINE LÖTSCHER

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